Der innere Winter: Das Trennungs-Trauma überwinden

Ein kleines Zimmer, Gitter an den Fenstern, die Tür ist meist verschlossen, nur eine halbe Stunde täglich darf ich an der frischen Luft verbringen – so könnte mein Leben heute, und noch für mindestens acht weitere Jahre aussehen, wäre ich Ende 2002 meinen Impulsen gefolgt.

Eifersucht steigert die Wut eines Ehemannes bis zum Äußersten; und wenn die Gelegenheit sich bietet, wird er sich rächen ohne jedes Mitleid. – Sprüche 6, 34 in der “Guten Nachricht”

Wut bis zum Äußersten, das beschreibt treffend die Gefühlslage eines hintergangenen Mannes, wenn er davon erfährt. Zu oft mit tragischen Folgen. Blättern Sie durch die Tageszeitung, oder durchsuchen Sie das Online-Magazin Ihres Vertrauens, oder noch besser, die Google-News-Suche nach dem Stichwort “Beziehungsdrama”, und Sie werden feststellen, dass es immer wieder Männer – gelegentlich auch Frauen – gibt, die ihren archaischen Impulsen nachgeben. Ohne jedes Mitleid.

Zum Glück halten Verstand, Gesetze oder auch die Furcht vor möglichen Konsequenzen die meisten davon ab, ihren Impulsen zu folgen. Es sei denn, der Betroffene gelangt zu der tiefen Überzeugung, sein Leben sei vorbei. Dann spielen Gesetze und Konsequenzen keine Rolle mehr, und der Verstand wird zum Komplizen. So ging es mir, und vielleicht geht es  manchem, der diese Zeilen liest, im Moment gerade ähnlich. Den ganzen Beitrag lesen

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Auf Wiedersehen, Mami

Ein Jahr und vier Monate sind vergangen seit jenem schwarzen Tag, als meine Geschwister und ich am Bett unserer Mutter standen, um ein letztes Mal ihre schon leblosen, erstarrten Hände zu streicheln und uns für lange Zeit von ihr zu verabschieden. Sie hatte den zweiten Weltkrieg überlebt, die Tuberkulose, die brutale Treulosigkeit meines leiblichen Vaters. Neun Jahre war sie meinem Bruder und mir Alleinerzieherin gewesen, und immer, wenn ich in den letzten Jahren erschöpft oder der Verzweiflung nah war, hatte ich mir sie zum Vorbild genommen: “Mami hat das auch geschafft.”

Doch nun hatte sich der Krebs als stärker erwiesen, und einige Tage später haben wir sie beerdigt. Ich war einer von denen, die an ihrem Sarg ein paar Worte sprachen. Ich denke, die folgenden Worte machen deutlich, was für ein Mensch sie gewesen ist. Sie hätte ganz sicher gewollt, dass man sie so in Erinnerung behält: Den ganzen Beitrag lesen

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Begegnung mit dem Tod

“Endlich wieder einer gestorben” – einer meiner Söhne hat sich entschlossen, vor Antritt seiner Ausbildung dem Vaterland zu dienen, und sieht noch bis zum April jeden Tag dem Tod ins Auge. Nicht dem eigenen zwar, aber verändert hat ihn diese Erfahrung dennoch.

Menschen sterben, und man sollte meinen, Kinder, die in einer halbwegs großen Familie aufwachsen, würden eher früher als später automatisch mit dem Tod konfrontiert. Großeltern sterben, Onkel und Tanten, Haustiere – doch gerade, was den Tod von Menschen betrifft, greifen viele Eltern zu Euphemismen und Tarnungen, um ihre Kinder (und sich selbst) vor der all zu heftigen Konfrontation zu schützen: Wir verstecken unsere Toten in Holzkisten, die wir eilig in der Erde vergraben, wir gebrauchen Redewendungen wie “von uns gegangen”, “eingeschlafen” oder “an einem besseren Ort”, statt die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Ich selbst war 40, als ich den ersten Leichnam sah, den meiner Mutter (dazu später mehr). Bis dahin, so denke ich, habe ich zwar an nicht zu wenigen Beerdigungen teilgenommen, Abschied und Trauer habe ich so kennen gelernt, aber nicht das Phänomen Tod an sich. Den ganzen Beitrag lesen

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Störfaktor Hass

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Ein paar Monate sind vergangen seit dem gefährlichsten Tag in Dirks Leben. Am 12. Dezember hatte seine Frau ihm ihre Außenbeziehung offenbart, und hatte von da an begonnen, diese neue Beziehung ganz offen auszuleben. Auch die Nacht vom 22. auf den 23. Dezember hatte Dirk allein verbracht und höchstens zwei oder drei Stunden unruhig geschlafen. Die Kinder hatten Ferien und schliefen noch, als er an diesem Morgen das große Campingmesser aus dem Schrank nahm, sich in seinen alten blauen Chrysler Voyager setzte und nach Solingen fuhr. In den Unterlagen seiner Frau hatte er eine genaue Wegbeschreibung gefunden, und nach einer halben Stunde stand er vor der richtigen Tür. Das Messer unter seiner schwarzen Lederjacke verborgen, klingelte er. Was geschehen wäre, hätte jemand die Tür geöffnet, weiß niemand so genau.

Hass und Wut waren mir in der Zeit der Trauer wirkliche Hilfen, weil sie den ganzen Schmerz von innen nach außen kehrten.

Aber Hass und Wut werden zu einem echten Problem, wenn sie außer Kontrolle geraten. Nun war meine Frau zwar gegangen, aber ich wusste wohin. Und ich weiß, wie man mit einfachsten Mitteln ein Auto zum Explodieren bringen kann – wie, das verrate ich hier lieber nicht, denn wenn Sie in einer vergleichbaren Situation sind, wäre es unklug, Sie mit diesem Wissen allein zu lassen. Und so kämpfte ich am Abend des Tages X genau wie an vielen anderen Abenden mit mir selbst. Den ganzen Beitrag lesen

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Der Tag X – Sie ist weg

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„Wir sind dann weg.“ – Vier Worte markieren das Ende einer 14jährigen Ehe. Dirk sitzt äußerlich unbewegt im Wohnzimmer, als seine Frau den letzten Karton zum Auto trägt, die Heckklappe des weißen Toyota Corolla schließt und mit ihrer neuen großen Liebe davon fährt. „Fahrt zur Hölle“, denkt er. Björn und Michèl, die 13jährigen Zwillinge, sitzen in ihrem Zimmer am PC. Der 11jährige Patrick tobt mit den Nachbarskindern in der Scheune des Bauern herum, dessen Hof nur hundert Meter entfernt liegt. Und die 9jährige Selina verbringt den Tag bei ihrer besten Freundin Silke. Mamas Abschiedsworte bleiben ungehört.

Es soll Fälle geben, in denen Männer nach Feierabend in ihre Wohnung kommen, und feststellen, dass sich die Frau mit der halben Einrichtung und dem gesamten Konto-Inhalt aus dem Staub gemacht hat.

Ganz so drastisch war es bei mir nicht, es hatte sich angekündigt. Sie hatte sich nach knapp 14 Jahren Ehe neu verliebt und ein neues Lebenskonzept für sich entworfen, in dem ich keinen Platz mehr hatte. Anfangs hatte sie sich damit begnügt, die Nächte auswärts zu verbringen, und tagsüber „heile Familie“ zu spielen. Den ganzen Beitrag lesen

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