Macht Liebe glücklich?

Wenn man den großen Klassikern glaubt: Nein! Schillers “Kabale und Liebe”, Goethes “Leiden des jungen Werther”, Shakespeares “Romeo und Julia”, sie alle enden mit dem mehr oder minder freiwilligen Tod des oder der Liebenden, die so dem Unglück zu entgehen suchen, das die Liebe über sie gebracht hat. Und auch die modernen Volkspoeten sehen das kaum anders: “Love hurts”, wusste die schottische Hardrockband Nazareth, “Altes Arschloch Liebe” beschimpft Bela B dieses Gefühl, und wohl selten hat einer ein gebrochenes Herz deprimierender in Musik gefasst als James Blunt mit “Goodbye My Lover”.

Liebe kann, wenn sie unerfüllt bleibt oder endet, zutiefst unglücklich machen. Sie raubt den Schlaf, vernichtet die Begeisterung, nimmt dem Leben jede Farbe. Bei mir dauerte es Monate, bei manch anderem sind es Jahre, bis Körper und Seele sich erholen.

“Such dir doch wieder eine Freundin” – diesen Rat musste ich mir bereits kurz nach der Trennung von vielen Seiten anhören. Wie kommt es, dass Menschen, die es gut mit einem meinen, dennoch solche Ratschläge geben? Vielleicht, weil sie wissen, dass Liebe eben doch glücklich macht. Nicht für die Ewigkeit vielleicht, aber für den Augenblick, manchmal sogar für viele Jahre. Nicht immer verhindern Intrigen und Standesdünkel die Beziehung, wie es Schiller beschreibt, nicht immer bleibt das Sehnen des Herzens unerhört, wie bei Goethe, und dass eine große Liebe mit gemeinsamem Suizid endet, ist dann doch wirklich die große Ausnahme.

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Auf Wiedersehen, Mami

Ein Jahr und vier Monate sind vergangen seit jenem schwarzen Tag, als meine Geschwister und ich am Bett unserer Mutter standen, um ein letztes Mal ihre schon leblosen, erstarrten Hände zu streicheln und uns für lange Zeit von ihr zu verabschieden. Sie hatte den zweiten Weltkrieg überlebt, die Tuberkulose, die brutale Treulosigkeit meines leiblichen Vaters. Neun Jahre war sie meinem Bruder und mir Alleinerzieherin gewesen, und immer, wenn ich in den letzten Jahren erschöpft oder der Verzweiflung nah war, hatte ich mir sie zum Vorbild genommen: “Mami hat das auch geschafft.”

Doch nun hatte sich der Krebs als stärker erwiesen, und einige Tage später haben wir sie beerdigt. Ich war einer von denen, die an ihrem Sarg ein paar Worte sprachen. Ich denke, die folgenden Worte machen deutlich, was für ein Mensch sie gewesen ist. Sie hätte ganz sicher gewollt, dass man sie so in Erinnerung behält: Den ganzen Beitrag lesen

Begegnung mit dem Tod

“Endlich wieder einer gestorben” – einer meiner Söhne hat sich entschlossen, vor Antritt seiner Ausbildung dem Vaterland zu dienen, und sieht noch bis zum April jeden Tag dem Tod ins Auge. Nicht dem eigenen zwar, aber verändert hat ihn diese Erfahrung dennoch.

Menschen sterben, und man sollte meinen, Kinder, die in einer halbwegs großen Familie aufwachsen, würden eher früher als später automatisch mit dem Tod konfrontiert. Großeltern sterben, Onkel und Tanten, Haustiere – doch gerade, was den Tod von Menschen betrifft, greifen viele Eltern zu Euphemismen und Tarnungen, um ihre Kinder (und sich selbst) vor der all zu heftigen Konfrontation zu schützen: Wir verstecken unsere Toten in Holzkisten, die wir eilig in der Erde vergraben, wir gebrauchen Redewendungen wie “von uns gegangen”, “eingeschlafen” oder “an einem besseren Ort”, statt die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Ich selbst war 40, als ich den ersten Leichnam sah, den meiner Mutter (dazu später mehr). Bis dahin, so denke ich, habe ich zwar an nicht zu wenigen Beerdigungen teilgenommen, Abschied und Trauer habe ich so kennen gelernt, aber nicht das Phänomen Tod an sich. Den ganzen Beitrag lesen

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