Vom Aushilfskellner zum Chefkoch
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Nie kalt braten
Es hatte auch technische Gründe, dass meine ersten Naturschnitzel bis zur Ungenießbarkeit zäh wurden. Das passierte mir allerdings nur ein Mal, weil ich die Herdplatte erst einschaltete, als das Fleisch schon in der Pfanne lag. Ich wollte dadurch Fettspritzer vermeiden, die sich unweigerlich einstellen, wenn man Fleisch in eine heiße Pfanne gibt.
Den Grund, warum Generationen vor mir anscheinend nicht auf diese großartige Idee gekommen waren, liegt in den Poren, die sich nur dann augenblicklich schließen, wenn das Fleisch in eine bereits heiße Pfanne gelegt wird. Und geschlossene Poren verhindern Flüssigkeitsverluste, das Fleisch bleibt zart und saftig. Aus dem gleichen Grund legt man auch auf einen Grill das Fleisch erst dann, wenn die Holzkohle anständig glüht. Das hätte mir eigentlich einleuchten müssen, denn gegrillt hatte ich schon immer gern.
Fix kochen lernen
Okay, nach diesem kurzen technischen Einblick wissen Sie, wie Sie Wasser so richtig zum Kochen bringen, und dass Sie ein Stück Fleisch nicht in eine kalte Pfanne legen sollten. Das macht Sie noch nicht zum Meisterkoch, und genau genommen ist das hier ja auch kein Kochbuch.
Es geht in der ersten Zeit ja auch nicht darum, ein perfektes Vier-Sterne-Menü auf den Tisch zu stellen. Sie wollen Ihre Kinder und sich selbst mit schmack- und nahrhaften Gerichten versorgen, dabei möglichst wenig Ausschuss produzieren und – da Zeitnot mit Sicherheit zu Ihren Problemen gehört – den dazu nötigen Aufwand in Grenzen halten. Und da Sie wahrscheinlich Anfänger sind (Hätten Sie dieses Kapitel sonst bis hierher gelesen?), wollen und sollten Sie in Punkto Kochen noch einiges dazu lernen.
Fertiggerichte, die Sie nur aufwärmen müssen, sind, wie erwähnt, nur kurzfristige Lösungen, und der Lerneffekt liegt bei Null.
Mir selbst haben zunächst Experimente – von denen längst nicht alle gelungen sind – geholfen, meine Fähigkeiten zu verbessern. Eine Dose Ananas, habe ich dabei festgestellt, ist eine prima Ergänzung zu einer Pfanne mit geschnetzelter Hähnchenbrust in Curry-Rahmsoße. Reis dazu und eine preiswerte, leckere Mahlzeit steht auf dem Tisch.
Aber eines Tages hatte ich absolut keine Idee mehr, welchem Experiment ich meine Kinder jetzt wieder aussetzen könnte. Ich fuhr in den nächsten Supermarkt und wanderte auf der Suche nach Inspiration durch die Gänge. Vor einem Regal mit vielen bunten Tütchen blieb ich stehen: Fix-Produkte, die eigentlich nichts anderes sind als farbiges Pulver, gemischt aus Gewürzen, Mehl, Stärke und einigen anderen Zutaten in veränderlichen Gewichtsanteilen.
Fix-Produkte gibt es für Gulasch, für die verschiedensten Gratins und Aufläufe, für Suppen und Fischgerichte, für Braten und Frikadellen, bis hin zu reinen Gemüsegerichten.
Ich wollte mich von den Fix-Produkten eigentlich nur inspirieren lassen, konnte dann aber nicht widerstehen, ein paar von den Tütchen zu kaufen. Während der darauf folgenden Wochen kaufte ich viele dieser Fix-Tütchen von Maggi, Knorr, Corbell, Pottkieker und Dr. Lange – die letzten drei übrigens Discount-Produkte, die höchstens halb so viel kosten, wie die beiden erstgenannten.
Der Grund: Auf jedem Fix-Tütchen sind ein oder zwei sehr leicht zu kochende Rezepte aufgedruckt, zu denen das Päckchen nur eine von vielen Zutaten darstellt. Auf diese Art lernte ich eine ganze Reihe von Gerichten kennen, die, streng nach Kochbuch, deutlich komplizierter gewesen wären, als sie es mit dem Fix-Produkt waren.
Ich lernte also die Grundlagen des Bratens, Kochens und Gratinierens kennen, ohne gleich alles selbst machen zu müssen. Im Laufe der Zeit versuchte ich dann, viele solcher Rezepte auch ohne das Fertigpulver nachzukochen.
Und das gelang mir so gut, dass die Kinder meine Eigenkreationen bald den doch sehr standardisiert schmeckenden Fix-und-(noch-nicht-ganz-)fertig-Produkten vorzogen.
Alles, was Ihnen dann noch fehlt, ist ein gutes Kochbuch, und zwar eines, das nicht vorwiegend mit Rezepten wie „Wildhackbraten mit Languste“ glänzt, sondern auch grundlegende Dinge wie Soßen, Suppen und Braten im allgemeinen behandelt. Dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Tags: einkaufen, kochen, rezept, schuleVerwandte Artikel
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