Vom Aushilfskellner zum Chefkoch

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Michèl ist der erste, der an diesem Tag von der Schule nach Hause kommt. Er sieht in den dampfenden Topf, der auf dem Tisch steht und setzt sich zufrieden an den Tisch. Als Patrick, Björn und Selina nach Hause kommen, ist die erste Reaktion die selbe. Doch als sie den Eintopf sehen, drehen alle drei ihre Teller um und warten, bis ihr Vater und Michèl die Mahlzeit beendet haben. „Die nächste Mahlzeit findet heute Abend statt“, erklärt Dirk ihnen, obwohl auch er selbst lieber den Teller umgedreht hätte. Kochen ist eine seiner noch sehr ausbaufähigen Fähigkeiten, weiß er selbst.

Neben dem Einkaufen und dem Sichern unserer Finanzen war unsere Ernährung eine meiner großen Herausforderungen. Zumal die Frau, mit der ich 14 Jahre lang verheiratet gewesen war, bis dahin ganz überwiegend das Kochen übernommen und ihre Sache außerordentlich gut gemacht hatte.

Natürlich hatte ich von Zeit zu Zeit auch mal gekocht, aber außer Gulasch, Spaghetti Bolognese und Spiegeleiern konnte ich eigentlich nichts richtig. Und damit konnte ich unsere Kinder zwar vorübergehend sättigen, aber weder auf Dauer zufriedenstellen, noch wirklich gesund ernähren.

In der Anfangszeit half ich mir mit Fertiggerichten, meist tiefgefrorenen Reis- und Nudelgerichten, die ich nur noch in der Bratpfanne aufwärmen musste. In diesen Gerichten war reichlich Gemüse verarbeitet, und weil ich außerdem dafür sorgte, dass immer reichlich frisches Obst im Haus war, machte ich mir um Mangelerscheinungen keine Sorgen.

Nun gibt es nur eine begrenzte Auswahl an Fertiggerichten, und nach ein paar Wochen drehte sich uns allen der Magen um, wenn wir an die nächste warme Mahlzeit dachten. Es half nichts, ich musste noch ein paar Gerichte mehr lernen.

Väter mehrerer Kinder kann ich an dieser Stelle beruhigen: Sie werden nie alle Kinder mit Ihrer Kochkunst glücklich machen. Einer hat immer etwas auszusetzen. Bei aller Systematik, mit der ich sonst unser Leben zu gestalten versuchte, habe ich einen Gedanken gleich verworfen: Eine Liste mit allen Nahrungsmitteln aufzustellen, die von irgendeinem der Kinder nicht gemocht werden.

Stattdessen bemühte ich mich um abwechslungsreiche Mahlzeiten, so dass im Laufe der Zeit jeder bekam, was ihm schmeckte, und jeder auch mal seine persönliche „Kröte“ schlucken müsste.

Aber aller Anfang war schwer.

Technische Grundlagen

Männer, die bislang noch keine Erfahrung mit dem Kochen haben, wird diese Nachricht besonders freuen: Zum Kochen gehört eine Unmenge Technik. Und Technik ist eine Männerdomäne. Wenn Sie einen Reifen wechseln und ein Loch in die Wand bohren können, können Sie auch ein Gratin backen oder einen Pfannkuchen wenden. Kochen ist (auch) angewandte Technik, und das können Sie doch, oder?

Das wichtigste technische Hilfsmittel ist der Plattenherd. Bei uns ist es ein Ceran-Kochfeld. Aber auch auf einen Gas- oder einen anderen Herd trifft zu: Ãœbung macht den Meister.

Dass die einzelnen Kochfelder unterschiedlich groß sind, war mir schon früher aufgefallen. Und ich merkte schnell, dass ein zu kleiner Topf auf einer zu großen Herdplatte Probleme macht. Die um den Topf herum aufsteigende Hitze erwärmt nämlich nicht nur die Raumluft und ist damit vergeudete Energie, sondern erhitzt vor allen Dingen auch die Henkel des Topfes – und das tat mir richtig weh, als ich den Topf vom Herd nehmen wollte.

Was nicht auf den ersten Blick zu erkennen war: Unter den Platten – jedenfalls unter meinen – gibt es eine, die wesentlich schneller heiß wird als alle anderen, und wesentlich heißer.

Auf dieser Platte habe ich schon das leckerste Gulasch anbrennen lassen, und sogar ein Eintopf hat auf dieser Platte einen üblen Brandgeschmack bekommen. Heute nutze ich die Platte fast nur noch, wenn ich Wasser für Knödel oder Nudeln erhitze – weil Wasser nicht anbrennt.

Wasser kochen

Apropos Wasser kochen: Ich weiß nicht, ob er mich auf den Arm nehmen wollte, aber ein guter Bekannter fragte mich in der Tat, warum man eigentlich das Wasser salzt, und den Deckel auf den Topf tut, wenn man Wasser erhitzt, um Nudeln oder Knödel zu kochen. Einfache technische Erklärung: Salzwasser hat einen höheren Siedepunkt und gart die Nudeln oder Knödel deshalb schneller. Und der Deckel verringert das Luftvolumen oberhalb des Wassers. Ohne Deckel funktioniert die gesamte Raumluft als Wärmetauscher und transportiert einen guten Teil der von unten nachströmenden Wärme in den Raum. Bei aufgesetztem Deckel erhöht die im Topf eingeschlossene erhitzte Luft den Druck – und unter höherem Druck wird auch der Siedepunkt höher. Was wiederum den Garprozess beschleunigt. Wie gesagt, Kochen ist angewandte Technik.

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