Störfaktor Hass

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Es gibt viele zurückgelassene Elternteile, die sich später vor Gericht gegen genau diesen Vorwurf wehren müssen. Es ist das Beste für Kinder, wenn sie eine Beziehung zu beiden Elternteilen pflegen können, auch wenn die Annahme, eine Trennung ändere nichts an dieser Beziehung, völlig illusorisch ist. Und auch kleinen Kindern ist es nicht zu vermitteln, dass Mama und Papa sich immer noch mögen, aber einfach in verschiedenen Wohnungen leben möchten. Wenn man Kinder in einem einzigen Punkt anlügt, und sie diese Lüge durchschauen, stellen sie alles in Frage, was man ihnen gesagt hat.

Ich habe meinen Kindern gesagt, dass ich ihre Mutter nicht mehr besonders mag, und dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Ich habe ihnen aber auch gesagt, dass ich möchte, dass sie ihre Mutter zu den vereinbarten Zeiten besuchen, und meiner Frau habe ich einen Kalender in die Hand gedrückt, in dem sie die Besuchstermine für ein Jahr im Voraus eintragen sollte.

Auch Kinder können nichts gegen ihre Gefühle tun. Und wenn sie den Eindruck haben, Papa habe etwas dagegen, dass sie Mama mögen, geraten sie in einen Loyalitätskonflikt. Emotionale Probleme haben Kinder auch ohne diesen Konflikt in mehr als ausreichendem Umfang, wenn die Eltern sich getrennt haben.

Im Teenager-Alter machen sich Kinder ohnehin von der Meinung der Eltern unabhängig. So besucht Selina, die sich kurz nach der Trennung geweigert hatte, auch nur mit meiner Frau zu sprechen, ihre Mutter jetzt regelmäßig, während Björn den Umgang mit ihr vermeidet, wo es nur geht – gegen meine Ermunterung.

Manche Eltern fallen aber auch ins andere Extrem: Sie erteilen dem Partner, der die Familie verlassen hat, gegenüber den Kindern Absolution.

Wenn ein Vater, dessen Frau die Familie verlassen hat, sagt: „Ihr müsst Mama verstehen. Wir sind doch alle nur Menschen und das hätte mir genau so gut passieren können“, dann heißt das in den Ohren der Kinder: „Vielleicht verlässt Papa uns auch bald.“

Und auch wenn Sie den von führenden Pädagogen empfohlenen Satz hundertmal wiederholen: „Mama hat euch nicht verlassen, sie hat nur mich verlassen“, die für die Kinder sichtbaren Tatsachen sprechen eine andere Sprache.

Mich persönlich hielt noch ein weiterer Gedanke davon ab, meine ehemalige Partnerin den Kindern gegenüber zu verteidigen: Ich halte viel von Werten wie Treue, Zuverlässigkeit, der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und auch unter Schwierigkeiten zu seinem Wort zu stehen. Ich möchte, so gut es geht, diese Werte meinen Kindern vermitteln und kann ein Verhalten, das diesen Werten diametral entgegen steht, nicht verteidigen.

Ein altes Sprichwort sagt: „Wenn man nichts gutes über einen Menschen sagen kann, sollte man schweigen.“ Damit halte ich es.

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