Finanzen im Keller – was nun?

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Schulden: Aus kurz mach lang

Wenn Sie, wie ich, deutlich vor der nächsten Gehaltszahlung am Rande des Dispokredites ankommen, sollten Sie von sich aus das Gespräch mit Ihrem Bankberater suchen. Und dieses Gespräch sollten Sie gründlich vorbereiten.

Stellen Sie auf einem Blatt Papier Ihre monatlichen festen Ausgaben (Miete, Strom, Heizung etc.) und alle Einkünfte einander gegenüber. Aus der Differenz können Sie die variablen Kosten, beispielsweise für Nahrung, Kleidung, Kinokarten, bestreiten. Und dann können Sie sich selbst ausrechnen, wie lange Sie eisern sparen müssen, bis Ihr Dispo wieder ausgeglichen ist.

Diese Aufstellung und ein paar Gehaltsabrechnungen – oder in meinem Fall die G+V-Rechnung der letzten paar Monate – nehmen Sie mit zu Ihrem Bankberater und bitten ihn um einen Ratenkredit, mit dem Sie Ihren Dispokredit ausgleichen können. Wie viel Sie monatlich aufbringen können, haben Sie sich ja bereits ausgerechnet. Wenn er zustimmt – und das wird er, zumindest, wenn Sie schon länger Kunde sind und ein regelmäßiges Einkommen nachweisen können – ist Ihre Liquidität vorläufig gesichert.

Flüssig für einen Monat: Der gefährliche Kartentrick

Einen Dispo-Kredit mit Hilfe eines langfristigen Kredites auszugleichen, ist reichlich sinnlos, wenn Sie in ein oder zwei Monaten einen größeren Geldbetrag erwarten, mit dem Sie den Dispo ohnehin ausgleichen könnten – etwa, wenn eine Steuerrückzahlung ins Haus steht oder Sie dabei sind, ein Auto zu verkaufen. Als ich das erste Mal in Finanznot geriet, war das bei mir der Fall. Nur ist es relativ schwer, einem Banker im Voraus den Erlös nachzuweisen, den der Verkauf eines Autos bringen wird. Und so lange Sie noch keinen Steuerbescheid haben, ist die saftige Rückzahlung vom Finanzamt für Ihren Banker nur bloßes Wunschdenken. Wohl dem, der dann eine Kreditkarte besitzt. Mit meiner Kreditkarte – deren Saldo erst in sechs Wochen von meinem Konto abgebucht würde – holte ich am Automaten so viel Geld, wie der Kreditrahmen zuließ, und zahlte es auf mein Girokonto ein. Das verschaffte mir sechs Wochen Luft, und in dieser Zeit traf die Steuerrückzahlung tatsächlich ein.

Dieser Kartentrick ist gefährlich! Wenn Sie sich verschätzen, und die Steuerrückzahlung später eintrifft, geringer ausfällt oder Sie Ihr Auto vor die Wand setzen, bevor Sie es verkaufen können, haben Sie ein Problem. Und das lösen Sie, indem Sie, kurz bevor ihr Kreditkartensaldo abgebucht wird, erneut Bargeld am Automaten abholen und auf Ihr Konto einzahlen. Und immer so weiter.

Kreditkartengesellschaften erheben hohe Gebühren auf Barauszahlungen, und auf diese Art schleppen Sie schließlich dauerhaft einen ziemlich teuren Kurzkredit mit sich herum. Und weil es ja relativ unproblematisch ist, kommen Sie leicht in Versuchung, jeden Monat etwas mehr Geld abzuheben und wieder einzuzahlen, bis irgendwann auch das Limit Ihrer Kreditkarte erreicht ist. Und dann bleibt Ihnen nur noch der Weg zur Schuldnerberatung.

Der Weg aus der Schuldenfalle

In Zeiten, in denen Sie mit dem Geld knausern müssen, hilft oft nur noch ein Haushaltsbuch. Ich war wenig begeistert, als ich entdeckte, wie knapp unser Geld geworden war, und ich hatte keine Vorstellung, warum das so war, bis ich die unter „Einkaufen für Anfänger“ geschilderte Einkaufstechnik umsetzte.

Man kann die Budgetierung zur Not auf die Spitze treiben, und sich Cent-genau ausrechnen, wie viel Geld pro Tag zur Verfügung steht. Wenn Sie Ihren Tagessatz an einem Tag überschreiten, steht Ihnen am nächsten Tag entsprechend weniger zur Verfügung.

Diese Methode erfordert hohe Disziplin, hilft Ihnen mittelfristig aber, verantwortungsbewusster mit dem vorhandenen Geld – und den vorhandenen Vorräten – umzugehen.

Um finanziell Oberwasser zu bekommen, gibt es letztlich nur einen Weg: Sie müssen mehr einnehmen, als Sie ausgeben. Die Hausarbeit ist kein Grund, auf einen Nebenjob zu verzichten, wenn eine Haushaltshilfe weniger kostet, als Sie in der selben Zeit verdienen würden. Aber übertreiben Sie es nicht: Ihre Kinder brauchen in erster Linie Sie, und nur in zweiter Linie Ihr Geld.

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