Einkaufen für Anfänger

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Einkauf nach Checkliste

Was jetzt noch übrig bleibt, haben Sie sich wirklich verdient. Klingt grausam? Lässt keinen Spielraum für Spontankäufe? Und das Leben ist sowieso im Moment schwer genug? Stimmt. So habe ich das auch empfunden. Wenn Sie sechs Wochen lang Ihre Einkäufe nach diesem Ritus durchgeführt haben, werden sich bei Ihnen entsprechende Gewohnheiten eingeschliffen haben. Dank dieser Gewohnheiten kaufen Sie später ganz automatisch günstig ein. Und dann ist auch wieder Gelegenheit (und Geld) für Spontankäufe.

Vorsicht, Sonderwünsche!

Sich selbst einen Wunsch abzuschlagen, mag nicht immer leicht sein. Seinen Kindern einen Wunsch abzuschlagen, ist in dieser Zeit nahezu unmöglich. Schon deshalb, weil es im Unterbewusstsein gleich mehrere Stimmen gibt, die den Kindern gerade jetzt am liebsten jeden Wunsch von den Augen ablesen würden.

Zum einen ist das Mitleid: „Die Kleine hat gerade ihre Mutter verloren. Das Geschenk wird ihr helfen, mit der schwierigen Situation besser klar zu kommen.“

Zum anderen ist da der natürliche Wunsch, seinen Kindern etwas Gutes zu tun. Ein normaler Mensch liebt seine Kinder, und will, dass sie so glücklich sind wie irgend möglich.

Zum dritten melden sich Verlustangst und Schuldgefühle. Selbst wenn es objektiv betrachtet allein die Entscheidung Ihrer Frau war, die Familie zu verlassen, weist Ihnen Ihr Unterbewusstsein eine Teilschuld zu. Was Sie vermeintlich versäumt haben, Ihrer Frau zu geben, wollen Sie an Ihren Kindern wieder gut machen, um nicht auch noch von denen verlassen zu werden.

Ich machte mir diese Reflexe bewusst, als ich ein paar Mal in Begleitung meiner damals neunjährigen Tochter Selina einkaufen ging, und es mir partout nicht gelang, ihr irgendeinen Wunsch – und sie hatte viele davon – abzuschlagen.

Dann begann ich, mit meinen inneren Stimmen zu diskutieren, und brachte sie nach längerem Austausch von Argumenten zum Schweigen.

Zunächst zum Mitleid: Kein Computer, kein Fahrrad, kein Pony und kein Segelflugzeug können den Verlust kompensieren, den Ihre Kinder erlitten haben. Übrigens auch keine neue Partnerin. Gemeinsam verbrachte Zeit, aktives Zuhören und Hilfe beim Lösen von Problemen ist das, was Ihre Kinder gerade jetzt viel eher benötigen.

Zum Bedürfnis, Ihre Kinder glücklich zu machen: Es stimmt, auch materielle Dinge können glücklich machen. Aber die Bedeutung von materiellen Dingen wird in unserer Gesellschaft gnadenlos überschätzt. Haben Sie sich je gefragt, warum Menschen, die in ärmlichen Buschhütten hausen, und außer einem Lendenschurz und einem Tontopf praktisch keinen persönlichen Besitz haben, trotzdem nicht manisch depressiv werden? Einige der glücklichsten Tage haben die Kinder und ich übrigens auf einem Campingplatz verbracht, wo uns nur wenig mehr zur Verfügung stand als den eben erwähnten Buschleuten.

Und nun zu den Schuldgefühlen und den Verlassensängsten: Versuchen Sie nicht, Ihre Kinder zu kaufen. Kinder halten ohnehin zu dem Partner, bei dem sie leben, das ist ein Überlebensinstinkt und hat wenig mit Schuld oder Unschuld zu tun. Und wenn ihre Ex Sie tatsächlich verlassen hat, weil Sie ihr materiell nicht genug bieten konnten, dann sagen Sie ihren Kindern mit jedem teuren Geschenk: „Mama hatte recht.“ Wollen Sie das wirklich?

Das soll keine Ermunterung zu gnadenlosem Geiz sein, und abhängig von ihren persönlichen Verhältnissen können Sie ruhig auch materielle Sonderwünsche Ihrer Kinder erfüllen. Aber die meisten Männer neigen ohnehin dazu, beim Einkauf eher zu viel Geld auszugeben als zu wenig. Das war okay, so lange Sie gelegentlicher Begleiter Ihrer Partnerin waren. Jetzt, wo Sie allein für den Einkauf zuständig sind, ist es an der Zeit, Sparsamkeit neu zu erlernen. Das Leben ist ohnehin hart genug, da sollten Sie sich nicht auch noch mit einem wachsenden Schuldenberg herum schlagen müssen.

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