Einkaufen für Anfänger

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Als Dirk mit den Einkäufen nach Hause kommt, warten die Kinder schon auf ihn: „Haben wir Eis?“ „Wo sind die Getränke?“ „Hast Du an Schokolade gedacht?“ „Oh, nein, morgen schon wieder Fleisch?“ „Papa, wir haben genug Mehl!“ Es allen recht zu machen, versucht er schon lange nicht mehr. Sein Einkauf reicht für die nächsten drei Tage. Ausgegeben hat er aber so viel, wie er normalerweise in der Woche ausgeben wollte. Außerdem fehlen noch Waschmittel und Hundefutter. Dirk setzt sich wieder ins Auto. Zum Glück haben die Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet.

Die Zeit, in der ich das Fahrrad benutzte, um einzukaufen, möchte ich nicht missen, und kann es nur jedem empfehlen, der plötzlich in die Lage gerät, seine Familie nicht nur zu ernähren, sondern die Nahrung auch selbst heran zu karren. Denn Einkaufen ist eine Kunst. Und wer diese Kunst nicht beherrscht, strapaziert das in solchen Zeiten ohnehin knappe Budget, und lässt obendrein seine Familie schlecht versorgt.

Beides bereitete mir Sorgen. Zum einen hatte meine Frau in jenen vier Monaten mehr Geld ausgegeben als je zuvor, ich selbst – als Selbständiger – aber kaum vernünftig arbeiten können, und deshalb auch nur sehr wenig verdient. Zum anderen fiel ihr ein paar Monate nach dem Auszug ein, dass sie ja noch Kinder hatte, und sie sagte ihrer Mutter, sie wolle alle vier zu sich holen.

Vielleicht war das ein Bluff, um vor ihrer eigenen Mutter – und vor ihrem neuen Bekanntenkreis – das Gesicht zu wahren. Aber ich musste das sehr ernst nehmen, denn wenn sie sich um das Aufenthaltsbestimmungsrecht bemühen sollte, würde das Jugendamt sicher prüfen, wie gut die Kinder bei mir versorgt wären. Allerdings blieb mir ein solcher Prozess erspart, denn meine Ex fragte bei einem Besuch die Kinder direkt, ob jemand von ihnen zu ihr ziehen wolle. Die Antwort wird wohl ausreichend weh getan haben.

Es führte in jedem Fall kein Weg daran vorbei: Ich musste das Einkaufen lernen. Ich hatte meine Frau oft begleitet, aber nie selbst den Einkauf geplant oder auf die Preise geachtet.

Zugegeben, in den ersten Wochen fuhr ich einfach zum nächsten Supermarkt und kaufte das, von dem ich vermutete, dass wir es brauchten. Und das war oft genug am Bedarf vorbei.

So legte ich reflexhaft bei jedem Einkauf ein oder zwei Kilogramm Mehl in den Einkaufswagen, bis mir die Kinder sagten, im Vorratsschrank sei kein Platz mehr für Mehl.

Dann begann ich, vor dem Einkauf zu prüfen, was uns eigentlich wirklich fehlte. Dazu plante ich Mahlzeiten für eine Woche im voraus, und schrieb alle nötigen – und im Haus nicht vorhandenen – Zutaten auf. Dazu addierte ich alles, was zum Waschen und Putzen gebraucht wurde und fragte zur Sicherheit die Kinder nach Sonderwünschen. Das funktionierte eine Zeit lang, war aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Denn ich kaufte zwar nicht mehr am Bedarf vorbei ein. Aber ich gab immer noch zu viel Geld aus – viel mehr, als wir (mit einer Person mehr in der Familie) zuvor ausgegeben hatten.

Also begann ich, auf die Preise zu achten, und wenn es eine Ware in mehreren Ausführungen gab, nahm ich zuerst die günstigste. Wenn sich die nicht als untauglich heraus stellte, blieb ich dabei. Wussten Sie, dass für unterschiedliche, geschmacklich fast identische, Sorten Rotkohl im 500-Gramm-Glas Preise zwischen 35 Cent und 2 Euro berechnet werden? Und auch die 35-Cent-Sorte ist mehr als nur genießbar, wenn man sie mit ebenso günstigem Apfelmus mischt – aber dazu später.

Um nicht in die Versuchung zu geraten, das eingesparte Geld gleich wieder auszugeben, setzte ich außerdem ein Budget fest, mit dem ich in der Woche auskommen musste. Das brachte mich aus den roten Zahlen, aber perfekt wurde es erst, als das Auto in die Werkstatt musste.

Es ist schon erstaunlich, was alles überflüssig wird, wenn man es eine halbe Stunde lang auf dem Rücken tragen muss, während man ein Fahrrad mehrere Kilometer bergauf bewegt. Letztlich war es also das Fahrrad, dem ich es zu verdanken habe, mit dem Geld heute einigermaßen klar zu kommen.

Wenn Sie sich diese Strapaze ersparen wollen, können Sie Ihren Einkauf auch rein mental steuern:

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