Der Tag X – Sie ist weg

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Ich blieb für alle weiteren Arbeiten und dafür zuständig, die Arbeit der Kinder zu überwachen und ungerechte Verteilung auszugleichen. Damit sich eine etwaige Über- oder Unterbelastung im Laufe der Zeit ausgleichen konnte, entschieden wir außerdem, die Zuständigkeiten monatlich nach dem Rotationsprinzip zu wechseln. Und dann kam der Abend, wir aßen, ich brachte die Kinder ins Bett und betete mit ihnen. Dann war ich allein.

Solche Momente des Alleinseins sind die wirklich gefährlichen Momente nach einer frisch beendeten Beziehung.

Nicht, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch selbstmord-gefährdet gewesen wäre, das war zum Glück vorbei. Ich hatte die tiefste Depression längst überwunden, und geholfen hatte mir dabei ein nicht all zu weit entferntes Gefühl: Hass! Doch dazu später.

Gute und schlechte Gewohnheiten

Die Arbeitseinteilung, die wir an diesem Abend trafen, hat sich inzwischen bewährt. Und wenn die Kinder – auch die drei Jungs – einst aus dem Haus gehen, wissen sie, wie eine Waschmaschine bedient wird, wie man den Boden schrubbt und wann der Müll heraus gestellt werden muss. Und ein wenig kochen können sie dann auch.

Es ist in dieser ersten Phase wichtig, alle Arbeiten selbst, also innerhalb der Rest-Familie, zu bewältigen, selbst wenn Ihnen Freunde und Verwandte sofort Hilfe anbieten mögen. Lehnen Sie dankend ab, aber verprellen Sie die Helfer nicht, denn Sie werden sie noch dringend brauchen. Nur gerade jetzt ist Ihr Selbstwertgefühl ohnehin am Boden und Sie müssen sich und Ihren Kindern unter Beweis stellen: Wir schaffen das!

Etwas anderes, das ich an jenem Abend tat, ist mir zum Glück nicht zur Gewohnheit geworden. Ich leerte eine erst gerade angebrochene Whiskey-Flasche. Und ich beobachtete ein Phänomen, dass ich im diesem psychischen Ausnahmezustand bereits einmal erlebt hatte:

Ich wurde nicht betrunken. Sicher, ich hätte nicht mehr Auto fahren dürfen, aber der gelöste, entspannte Zustand des Besoffenseins stellte sich nicht ein, und auch der Schmerz wurde nicht weniger. Erst überlegte ich, ob ich noch etwas Schnaps nachkippen sollte, und dann wurde mir klar, dass ich auf dem besten Weg war, meine Gesundheit dauerhaft zu ruinieren.

Von diesem Moment an betrachtete ich das Saufen als ein Schmerzmittel wie Morphium. Bei Todkranken kann es das Leiden lindern, aber es schränkt sie in ihrer Handlungsfähigkeit ein.

Ich hätte freilich meiner Ex die Schuld daran geben können, dass ich dem Suff verfallen bin. Aber das hätte bedeutet, ihr über die Trennung hinaus Macht über mich zu geben, und das ließ mein Stolz nicht zu.

Seit jeher war ich davon überzeugt, dass jeder für sein eigenes Handeln die Verantwortung trägt. Also trage ich auch die Verantwortung dafür, wenn ich ein Glas fülle, zum Mund führe und den Inhalt schlucke. Genau so, wie meine Ex die Verantwortung dafür trägt, dass sie mich betrogen und unsere Familie verlassen hat.

Von diesem Abend an trank ich mehrere Monate lang keinen Alkohol. Und betrunken war ich bis heute nicht mehr. Wie das folgende Kapitel zeigt, war das nicht nur zum guten meiner eigenen Gesundheit.

Tags: beziehung, freund, freundin, Geld, hass, kochen, tod, trauer

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