Der harte Weg zum Saubermann

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Ganz einfach konnte ich es mir allerdings nicht machen: Natürlich wollte ich durch nichts mehr an die Frau erinnert werden, die uns hatte sitzen lassen. Aber meine Kinder hatten und haben ein Recht auf ihre Mutter und auch ein Recht auf Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Vieles konnte ich deshalb nicht einfach in den Müll werfen. Die Familienalben beispielsweise räumte ich nur aus meinem Blickfeld, sie stehen jetzt in Selinas Zimmer.

Egal, wie Sie zu Ihrer ehemaligen Partnerin stehen – wie ich zu meiner stehe, habe ich ja schon ausgeführt – geben Sie Ihren Kindern die Chance, einen eigenen Standpunkt zu finden. Und nehmen Sie ihnen nicht auch noch die Erinnerungen an die (im Rückblick ohnehin immer schöne) Zeit, als Sie noch eine komplette Familie waren

Schrubben für Anfänger

So, jetzt steht nur noch herum, was herum stehen muss. Jetzt kommt es also zum Unvermeidlichen.

Kennen Sie diesen unsäglichen Macho-Spruch, warum Frauen so kleine Hände haben? Nein, die Antwort wiederhole ich hier nicht. Aber meiner Wohnung sah man in der ersten Zeit deutlich meine großen, männlichen Hände an: Beim Putzen kam ich augenscheinlich nicht richtig in die Ecken.

Nun gelingt mir die Hausarbeit ohnehin nur deshalb, weil ich bereit bin, Fünf gerade sein zu lassen, zu manchen Zeiten übrigens auch Sieben, Neun und, wenn nötig, sogar Elf.

Nur ist eine Schmutzecke leider ein Blickfang und somit peinlicher als andere Haushaltspannen. Wenn mir eine Mahlzeit zu scharf gerät, stelle ich ein paar Getränke mehr auf den Tisch. Und wenn die Knopfleiste meines Hemdes nicht perfekt gebügelt ist, ziehe ich eine Krawatte an und mache sie mit einer Krawattennadel fest. Aber eine schmutzige Ecke bleibt eine schmutzige Ecke.

Deshalb beginne ich das Putzen heute grundsätzlich mit den Ecken und Kanten. Bevor ich den Wischmop das erste Mal über den großflächigen Innenbereich ziehe, müssen alle Ecken und Kanten einwandfrei sauber sein. Schludern kann ich (tue ich aber natürlich nicht) dann auf den großen Flächen, die ohnehin bald wieder verschmutzen. Das ist besonders wichtig, wenn sich Damenbesuch angekündigt hat. Ein einzelner Fleck in der Mitte eines ansonsten sauberen Fußbodens ist ein verzeihliches Missgeschick. Die selbe Menge Schmutz in einer schlecht zugänglichen aber gut sichtbaren Ecke ist eine unverzeihliche Schluderei. Und Sie wollen ja nicht ewig allein erziehend bleiben, oder?

Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie dem Putzwasser schenken: Ein ganz normaler Haushaltsreiniger aus dem Discounter bietet reinigungstechnisch keinen Nachteil gegenüber dem Wundermittel, das in der Fernsehwerbung von ganz allein über den Fußboden wirbelt, während die Hausfrau staunend zusieht. Vielleicht macht sich das Wundermittel diese Mühe ja auch nur für Frauen. Ich jedenfalls habe immer selbst schrubben müssen.

Wenn Sie zu der Sorte Mann gehören, die ihren Normalbenziner gelegentlich gern mal mit einem Schluck Super-Kraftstoff in Laune bringen, übertragen Sie diese Idee bloß nicht auf Reinigungsmittel. Meine ehemalige Chemielehrerin wird Ihnen gern die näheren Zusammenhänge erläutern (eigentlich sollte ich aus Rache für die 5 ihre Telefonnummer hier angeben, aber ich bin ja gar nicht so), ich selbst kann Sie nur davor warnen: Wenn Sie unterschiedliche Haushaltsreiniger mischen, setzen Sie Ihre Gesundheit und die Ihrer Kinder aufs Spiel! Die Mischung selbst könnte sowohl zu den geschrubbten Flächen als auch zu Ihrer Haut ziemlich agressiv werden und die aufsteigenden Dämpfe könnten Sie bis zur Bewusstlosigkeit benebeln. Also mischen Sie bitte niemals Reiniger-Cocktails.

Allerdings dürfen Sie durchaus Reiniger zweckentfremden. Wenn Sie keinen Bodenreiniger mehr im Haus haben, aber schnell noch wischen möchten, tut es zur Not auch Geschirrspülmittel. Das funktioniert übrigens auch auf einem mittelprächtig verschmutzten Cerankochfeld prächtig. Und mit Glasreiniger können Sie Flecken aus Teppichboden entfernen: Einfach aufsprühen und mit einem Schwamm oder Tuch kräftig ausreiben.

Eine Sorte Reiniger sollten Sie aber niemals zweckentfremden: Sanitär-Reiniger beseitigen nicht nur Mikro- sondern auch größere Organismen, wenn sie in den falschen Hals geraten. Auch wenn der (für kleine Kinder völlig unverantwortlich gestaltete) Entenschnabel geradezu einlädt: Ein Küsschen in Ehren kann das Atmen erschweren! Wenn Ihre Kinder noch im Vorschulalter sind, gehen Sie mit diesen Reinigern um wie mit Gift.

Von Streifenfrei- und anderen Zauberformeln

Als ich dem Kachelfußboden in Bad, Flur und Küche zum ersten Mal mit den Schrubber zu Leibe rückte, waren Streifen kein Thema – eher schon die Fußabdrücke von Kindern und Hunden, die ohne Rücksicht auf Verluste über die frisch gewischten Flächen getappt waren. Dagegen habe ich bis heute kein effektives Mittel gefunden.

Gegen Streifen beim Fenster-, Spiegel- und Schränkeputzen ist das Mittel ja schon in den Reiniger eingebaut. So verspricht der Aufdruck auf der Sprühflasche doch deutlich lesbar eine Streifenfrei-Formel.

Worin diese Formel besteht, steht nicht so genau auf der Flasche. Die Anwendungsbeschreibung „Aufsprühen, verreiben, trockenwischen“ kann es nicht sein, denn meine ersten Versuche getreu nach dieser Anweisung führten zu Streifen, auf die ein Zebra stolz gewesen wäre.

Die Vermutung, es sei eine Zauberformel, die nur unter Frauen bekannt sei, verwarf ich wieder, denn die Frauen, die ich kenne, benutzen zum Fensterputzen nicht einmal Glasreiniger.

Also probierte ich beim Trockenwischen unterschiedliche Wischtechniken aus. Bei einer blieb ich hängen, bei meiner persönlichen „Streifenfrei-Formel“. Ich wische zuerst in waagerechten Bahnen über die Scheibe, und zwar ausschließlich von links nach rechts. Am rechten Rand angekommen, setze ich das Wischtuch ab und führe es ohne Scheibenkontakt zurück nach links. Die nächste Bahn setze ich knapp unter der letzten Bahn an, so dass sich die Bahnen jeweils leicht überlappen, und wische wieder von links nach rechts. Das setze ich fort, bis ich die ganze Scheibe abgewischt habe. Das gleiche wiederhole ich danach in senkrechter Richtung. Das Ergebnis sind nahezu streifenfreie Flächen.

Falls Sie es für eine gute Idee halten, die Fenster im strahlenden Sonnenschein zu putzen, damit Sie eventuelle Streifen sofort sehen: Machen Sie es ruhig, und seien Sie sicher, Sie werden sofort Streifen sehen. Denn die Sonne lässt die aufgebrachte Flüssigkeit schneller verdunsten, als sie sie trocken reiben könnten. Bloß macht die Sonne das nicht so sauber von links nach rechts und von oben nach unten, wie Sie das könnten. Vielleicht erfindet ja mal jemand Fensterscheiben, die automatisch streifenfrei bleiben. Der Erfinder wird wahrscheinlich ein allein erziehender Vater sein. Oder einer seiner Söhne, der gerade dran ist mit Fensterputzen.

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