Von Krempelgriffen und Schmetterlingsböden…
Wenn Sie mit der Überschrift spontan etwas anfangen konnten, liegt der Schluss nahe, dass Sie entweder mit Fertigung und/oder Vertrieb von Kartonverpackungen beschäftigt sind, oder es ihnen vor gar nicht all zu langer Zeit so gegangen ist, wie jetzt meiner Familie und mir – wir ziehen um! Warum ich da an meinen PC sitze, und darüber schreibe, statt Kartons zu packen, mein Auto zu beladen, Wände zu streichen und Teppiche zu verlegen? Weil
- wir offiziell erst zum 1. November die neuen Räumlichkeiten beziehen werden;
- ich dringend eine Auszeit vom Auseinanderschrauben, Einpacken, Wegwerfen brauche;
- und außerdem noch genug Zeit bleibt, da unser alter Mietvertrag bis Ende November läuft.
Nachdem uns in den letzten Jahren vor allem der Sensenmann so einige Abschiede aufgezwungen hat, ist das seit längerem der erste selbst gewählte Abschied, auch wenn er sich letztlich konsequent aus der beruflichen Ausrichtung meines Ältesten und meiner Jüngsten ergeben hat. Beide machen ihre Ausbildung in unserer Nachbarstadt Wuppertal, und beide werden sich durch den Umzug täglich mindestens eine halbe Stunde Zeit ersparen.
Die ersten Umzugsarbeiten haben wir Anfang September in Angriff genommen. Dazu zählte nicht zuletzt die Entscheidung, von welchen Möbeln wir uns trennen würden. Da war nahezu die komplette Wohnzimmereinrichtung, die langsam aus dem Leim gehende Sitzgruppe in der Küche, Schränke, die ihren Zenit überschritten hatten… inzwischen ist der größere Teil davon auf den Sperrmüll gewandert. In unserer Noch-Küche essen wir derzeit von einem Campingtisch, mein ältester hat seine Kleidung bis zum Umzug in einem Faltkleiderschrank deponiert, meine Akten und Unterlagen muss ich, wenn ich sie zwischendurch benötige, aus einem Umzugskarton holen, in den die meisten inzwischen gewandert sind. Kurz: Es herrscht ein halbwegs organisierter Ausnahmezustand.
Einige Dinge sind mir im Laufe der Umzugsarbeiten durch den Sinn gegangen:
- Hätte ich all die Dinge, die ich selten benutzt und jetzt weggeworfen habe, nie gekauft, wäre ich heute reich;
- Dinge aufzubewahren, die man “noch mal brauchen könnte”, ist in aller Regel Selbstbetrug;
- Einen großen Dachboden zu haben, ist kein Segen, sondern ein Fluch;
- Dinge wegzuwerfen, kostet Anfangs Überwindung, die aber schnell in Euphorie übergeht;
- Es ist tieftraurig, dass sich ausgerechnet für großformatige Bildbände keine Ebook-Alternativen finden lassen.
Fast ein wenig überrascht bin ich, mit wie wenig Wehmut ich mich von alten Dingen trennen kann, einige der inzwischen entsorgten Möbel haben wir immerhin selbst entworfen, gesägt, verleimt und verschraubt. Nun sind sie auf dem Weg zum “thermischen Recycling”, und das ist auch gut so. In den nächsten Wochen werde ich mich über einen Mangel an Gelegenheiten, meine (beschränkten) Heimwerker-Talente zum Einsatz zu bringen, sicher nicht beklagen können.
Ach ja, Krempelgriffe und Schmetterlingsböden beschreiben spezielle Falz- und Knicktechniken bei Umzugskartons, die das Ausreißen der Griffe und das Durchreißen der Böden verhindern sollen. Haben Sie sich ohnehin bereits gedacht, stimmts?!
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