Von wegen erwachsen: Gericht verlangt “Erziehungsmaßnahmen” bei erwachsener Tochter

Böses Mädchen! Nein, nicht meine Kleine, die ist ja auch erst 16. Aber die erwachsene Tochter eines Vaters, der sich vor dem Landgericht Düsseldorf zu verantworten hatte und verurteilt wurde. Eine strafbare Handlung kann ihm zwar nicht nachgewiesen werden, aber offenbar hat seine Tochter das Album eines Rappers über die Tauschbörse “Edonkey” zum Download angeboten. Seine erwachsene (!) Tochter. Trotz Volljährigkeit der jungen Frau mit dem verirrten Musikgeschmack hatte das Gericht “Sicherungs- und/oder Erziehungsmaßnahmen” erwartet, die der Vater zu verhängen versäumt hatte.

Erziehungsmaßnahmen bei einer volljährigen Tochter? Nun ja, ohne ausdrückliche Zustimmung Ihrer volljährigen Kinder dürfen deren Lehrer Ihnen am Elternsprechtag nicht einmal verraten, ob die Versetzung gefährdet ist. Auch der fehlgeleitete Musikgeschmack dürfte dem Vater nicht anzulasten sein, den bringt die Pubertät nun einmal mit sich – wobei ich persönlich es bei meinen Großen zumindest durchsetzen konnte, den Krawall während meiner regulären Arbeitszeit auf Zimmerlautstärke zu belassen. Aber um Geschmack geht es in dem Urteil ja auch nicht – sondern um “Erziehungs- und Sicherungsmaßnahmen”.

Fangen wir mit den Sicherungsmaßnahmen an: Papa könnte am DSL-Router der Familie die für das Filesharing genutzten Ports sperren, er könnte auf den betroffenen PCs eine Software installieren, die den Start einschlägig bekannter Programme verhindert, und er könnte außerdem eine Spyware installieren, die detailliert protokolliert, was die lieben Großen so auf dem Rechner treiben. Dazu gehört eine Menge Knowhow – und in diesem Punkt sind fast immer die jungen Erwachsenen im Vorteil. Damit bleibt als letzte Sicherungsmaßnahme, PCs und Notebooks einbruchsicher wegzuschließen. Das ist super für das Familienklima, und mit derart böser Technologie werden die Sprösslinge außerdem noch früh genug in der Ausbildung konfrontiert. Falls sie ohne PC-Erfahrung einen Ausbildungsplatz finden…

Gut, dann also Erziehungsmaßnahmen: Klar, ein offenes Gespräch, verbunden mit der Androhung, Junior die Verfahrenskosten vom Taschengeld abzuziehen, dürfte vielleicht Früchte tragen. Aber soll sich Papa wirklich zu Töchterchen an den PC setzen, wann immer sie ihn einschaltet? Es soll Familienväter geben, die tagsüber das Haus verlassen, um einer geregelten Arbeit nachzugehen (es mag verständlich sein, dass ein Rapper Schwierigkeiten hat, sich das vorzustellen, aber ein Richter sollte schon dazu in der Lage sein) – und sogar solche, die die Privatsphäre ihrer Nachkommenschaft respektieren und nicht jederzeit in deren Zimmer stürmen, ohne anzuklopfen.

Ein gutes hat das Urteil allerdings schon – zumindest für Väter, die von Zeit zu Zeit den uralten Satz hervor kramen “So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…” – sie können sich der Unterstützung des Landgerichts Düsseldorf gewiss sein.

Hier kann das erst kürzlich veröffentlichte Urteil im Volltext nachgelesen werden. Vorsicht, als Nebenwirkung wurde wiederholt mehrstündiges Kopfschütteln beobachtet.

Herzlichen Dank für die Information an Hans-Georg Nelles, vaeter-und-karriere.de .

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