Urlaub ohne Kinder?

Allein in den Urlaub? Viele Alleinerzieher denken, sie hätten keine Wahl. Sie glauben, es sei entweder organisatorisch unmöglich oder moralisch unvertretbar, es sich auch nur für eine Woche im Jahr ohne den Nachwuchs gut gehen zu lassen. Doch es gibt gute Gründe, beides sorgfältig zu überdenken:

Da ist zunächst die Frage der moralischen Verantwortung, die letztlich jeder mit sich selbst abmachen muss. Es liegt auf der Hand, dass Sie Kinder im Vor- oder Grundschulalter nicht sich selbst überlassen dürfen, aber Sie sollten sich eingestehen, dass Sie nicht der einzige verantwortungsbewusste Erwachsene auf Erden sind, bei dem Ihre Kinder zumindest für ein paar Tage oder Wochen gut aufgehoben wären. Und: Ein wie guter Vater sind Sie wirklich, wenn Sie abgespannt, ausgebrannt, erschöpft sind? Schon eine Woche Urlaub, in dem Sie sich wirklich entspannen, kann da einen riesigen Unterschied machen.

Zum Organisatorischen: Auch wenn Sie alleinerziehender Vater sind, gehören zum Elternsein immer zwei. Relativ kurz nach unserer Trennung habe ich meiner Ex einen Kalender in die Hand gedrückt, und sie gebeten, die für sie günstigsten Besuchstermine einzutragen – mit der Maßgabe, dass darunter mindestens ein zusammenhängender Zeitraum von zwei Wochen innerhalb der Ferien zu sein habe. Zusätzlich hatte ich das Glück, dass meine Schwägerin die Kinder (meist direkt im Anschluss an die Mama-Wochen) ebenfalls für zwei Wochen im Jahr zu sich nahm. Auch wenn ich nicht die ganzen vier Wochen für einen Urlaub nutzen konnte, gab mir das die dringend benötigte Gelegenheit zur Entspannung.

Nur in echten Ausnahmefällen kommt die Expartnerin nicht als Ferienaufpasserin in Frage: Wenn sie für die Kinder eine Gefahr darstellt, oder das Risiko besteht, dass sie sich mit den Kindern nach Unbekannt absetzt, zum Beispiel. Oder wenn sie körperlich oder geistig nicht in der Lage ist, für die Kinder zu sorgen. Natürlich muss die Ex-Partnerin zustimmen. Bewährt hat es sich, bei den Verhandlungen an ihr schlechtes Gewissen zu appellieren – aber Vorsicht: Ihnen gegenüber hat sie wahrscheinlich nicht das geringste schlechte Gewissen (ganz unabhängig davon, wer die Trennung herbeigeführt hat), aber mit großer Wahrscheinlichkeit den Kindern gegenüber. Auch wenn Ihre Ex-Partnerin Sie derzeit hasst, Ihren gemeinsamen Kindern gelten diese Gefühle nicht.

Notfalls geht es aber auch ohne die Ex-Partnerin: Eltern, Großeltern, (Ex-) Schwiegereltern, gute Freunde – die Liste von Personen, bei denen Sie die Kinder „parken“ können, ist länger, als Sie vielleicht annehmen. Fragen kostet nichts.

Im späteren Teenager-Alter stellt sich die Frage kaum noch. Inzwischen haben drei meiner Kinder die 18 überschritten, und seit drei Jahren gönne ich mir eine Woche Segel-Urlaub jährlich. Die Vorteile: Sonne, frische Luft, kaum Handy-Empfang, und kaum eine Chance, die Urlaubszeit für Arbeit zu missbrauchen.

Das heißt freilich nicht, den gemeinsamen Urlaub mit den Kindern ganz abzuschreiben. Je älter die Kinder werden, um so mehr wird der gemeinsame Urlaub ohnehin zur Ausnahme. Im vorletzten Jahr haben wir es noch einmal geschafft. Und da hatte endlich auch Papa etwas davon. Schon, weil die Nachkommen ihr Unterhaltungsprogramm selbst gestalteten.

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