Schluss mit den guten Vorsätzen: Warum auch die besten Absichten nicht ausreichen

Alle Jahre wieder schlägt die Stunde der Absichts-Erklärer: Wenn das neue Jahr in greifbare Nähe rückt, geht so manchem durch den Kopf, was er in Zukunft gern ändern würde: Weniger arbeiten, mehr Zeit mit den Kindern verbringen, abnehmen, mehr Sport treiben… Doch egal, wie lautstark jemand seine guten Vorsätze verkündet, oft wirft er sie über Bord, noch bevor der Januar vorbei ist.

Wenn gute Vorsätze nicht in die Tat umgesetzt werden, hat das meist gleich mehrere Gründe. Im Rückblick auf immerhin über 40 Jahreswechsel kann ich allerdings einen Hauptgrund ausmachen: Auch wenn ich sie verkündet hatte, waren es doch nicht immer meine guten Vorsätze, sondern die Tipps, Empfehlungen oder Wünsche von Menschen, die besser als ich zu wissen schienen, was gut für mich war: Meine Exfrau hätte mich gern ein paar Kilo schlanker gehabt, ein paar meiner Freunde hätten es für angebracht gehalten, wenn ich mehr Sport getrieben hätte, mein Chef hätte mir gern einen aufgeräumteren Schreibtisch verordnet – und all diesen Wünschen und Empfehlungen wurde ich mit „meinen“ guten Vorsätzen gerecht. Aber mit dem Aussprechen der guten Vorsätze war der Fall für mich erledigt – sie auch umzusetzen, daran hatte ich eigentlich nie gedacht.

Aber auch die ureigenen guten Vorsätze fliegen oft all zu schnell über Bord. Im Unterschied zu fremdbestimmten guten Vorsätzen verzeiht einem das Unterbewusstsein das aber nicht so leicht – es sei denn, Sie liefern ihm Gründe: Wenn aus Ihrem Vorsatz, weniger zu arbeiten, nichts wird, dann ist die Konjunktur daran schuld, und dass Sie das Buch, das Sie unbedingt lesen wollten, immer noch nicht angefangen haben, schieben Sie wahrscheinlich auf „zu viel Stress“. Dabei scheitern Vorsätze oft ganz einfach daran, wie sie formuliert werden.

Angenommen, Ihr Vorsatz lautet: „Ich werde im nächsten Jahr abnehmen und Sport treiben.“ Wann genau, meinen Sie, können Sie diesen Vorsatz als erfüllt verbuchen? Streng genommen, genügt es, am 1. Januar das Frühstück ausfallen zu lassen und ein paar Kniebeugen zu machen – Sie haben dann (wenn auch nur minimal) abgenommen und Sport getrieben. Fall erledigt.

Ziele statt Vorsätze

Auf solche guten Vorsätze können Sie gleich ganz verzichten. Wer sein Leben nachhaltig verändern möchte, braucht keine Vorsätze, sondern Ziele. Ziele und Vorsätze sind nur auf den ersten Blick identisch. Im Gegensatz zum meist unkonkret formulierten Vorsatz ist ein Ziel eine ganz konkret formulierte Absichtserklärung, die mit einem festen Zeitpunkt verknüpft ist. Statt des Vorsatzes „abnehmen und Sport treiben“ formulieren Sie als Ziel „Ich werde im neuen Jahr jeden Donnerstag abend joggen gehen, und jeden Samstag nachmittag für eine Stunde ins Fitnessstudio. Bis zum 30. April werde ich weniger als 85 Kilogramm wiegen.“ Diese konkreten Formulierungen helfen Ihnen nicht nur, sich klar zu werden, wo Sie hin wollen, sondern auch, wie Sie dorthin gelangen. So können Sie jederzeit überprüfen, ob Sie noch auf dem richtigen Weg sind.

Nachteil einer so konkreten Formulierung: Sie liefert die Ausrede gleich mit. Vielleicht fällt Ihrem Chef im neuen Jahr ein, am Donnerstag abend regelmäßig Teambesprechungen anzuberaumen. Und vielleicht bekommt es ihrem Organismus auch nicht, wenn Sie in vier Monaten 30 Kilogramm abzunehmen versuchen. Wenn es sich bei den gesetzten Zielen aber wirklich um Ihre Ziele gehandelt hat, werden Sie sie auch dann nicht einfach über Bord werfen, sondern flexibel an die Umstände anpassen, ohne das beabsichtigte Ergebnis aus dem Auge zu verlieren. Wer mit einem Segelboot unterwegs ist, hat ab und zu das Pech, dass der Wind genau aus der Richtung kommt, in der sein Zielhafen liegt. Kein Skipper, der etwas auf sich hält, würde nur deshalb einfach umkehren: Um den Zielhafen bei Gegenwind zu erreichen, muss er eben kreuzen – also immer abwechselnd in die eine und die andere Richtung vom Idealkurs abweichen. Das dauert länger, aber letztlich führt auch dieser Weg zum Ziel.

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