Manchmal ist ‘nein’ die bessere Antwort

Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein! Alles was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.

Matthäus 5, 37

Ja-Sager leben bequemer: Sie müssen sich nicht das Gequengel unzufriedener Kinder anhören, werden von Telefonverkäufern und Versicherungsvertretern geliebt, bringen aus dem Orient-Urlaub stets die erlesensten Teppiche mit und besitzen die größten Sammlungen an Zeitschriften-Abonnements, Plastikschüsseln und Nahrungsergänzungsmitteln. Nur drei Dinge drohen, dabei zu verkümmern: Ihr Kontostand, ihr Ego und ihre Kinder.

“Ja”, so predigen Vertreter des positiven Denkens seit Jahrzehnten, ist keine Option, es ist die einzig richtige Antwort. So klug sich die Begründungen für diese These anhören mögen, in der Praxis ist sie völliger Blödsinn. Wenn nach ein paar ungeschickten Klicks auf Ihrem Computerbildschirm ein Fenster mit der Frage erscheint “Sollen Ihre Festplatte formatiert und sämtliche Daten gelöscht werden?”, würden Sie sicher nicht gleich auf “Ja” klicken. Und wenn Ihre reizende Tochter Sie mit großen Augen anschaut und fragt “Kaufst du mir ein Pony?”, ist “Ja” auch nicht unbedingt die beste Antwort, wenn Sie sich bloß eine Zweizimmer-Wohnung mitten in der Stadt leisten können, und das arme Tier für jeden Ausritt drei Etagen durch das Treppenhaus müsste.

Je knapper jemandes Mittel sind, desto leichter fällt es ihm wahrscheinlich, des öfteren “nein” zu sagen. Aber eigentlich sollte das kein Kriterium sein, wie das aktuelle Beispiel des Emirats Dubai zeigt – selbst ein für den Durchschnittsbürger unvorstellbares Vermögen, wie es die Scheichs besessen haben, wird durch das Unvermögen, “Nein” zu sagen, aufgezehrt.

Aber nicht nur das Girokonto wird durch ein vorschnelles “Ja” strapaziert. Viele Kinderwünsche sind nicht-materieller Art. “Reparierst du am Wochenende meine Autorennbahn?”, “Hilfst du mir heute abend, den Reifen an meinem Fahrrad zu wechseln?”, “Fahren wir morgen zusammen zum Verkehrsübungsplatz?” – Alles berechtigte Wünsche, deren Erfüllung wenig Geld kostet, aber unter Umständen Zeit, die Papa im Moment nicht hat. Ein “Nein, da habe ich keine Zeit” führt zu enttäuschten Gesichtern. Aber ein “Ja”, das Papa unmöglich einhalten kann, belastet das Vertrauenskonto. Schon ein paar wenige gebrochene Versprechen ziehen das Vertrauenskonto so tief ins Minus, dass es sehr lange dauern kann, es wieder auszugleichen. Was sonst im Leben eine Selbstverständlichkeit ist, vergessen viele Väter im Umgang mit ihren Kindern: Einen festen Termin vereinbaren, in den Kalender eintragen und dann auch einhalten. Ein aufrichtiges “Nein, aber am Donnerstag abend habe ich Zeit, das schreibe ich mir gleich auf”, ist tausend mal besser für den Familienfrieden als ein “Ja, mach ich”, aus dem dann doch nichts wird. Und versuchen Sie es erst gar nicht mit “Vielleicht”. “Vielleicht” ist nicht “Ja” und nicht “Nein”. “Vielleicht” stammt vom Bösen.

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