Entkrampftes Sparen

Je enger das Budget ist, desto mehr Disziplin erfordert der Einkauf. Doch nicht immer lohnt es, jeden Cent drei Mal umzudrehen. Wer weiß, wo er den Hebel am wirkungsvollsten ansetzen kann, spart oft Geld, ohne die Lebensqualität seiner Familie unnötig einzuschränken.

Als ich mich in den regelmäßigen Einkauf unseres Bedarfs einarbeitete, fiel ich zunächst von einem Extrem ins andere: Erst nahm ich von allem, was wir brauchten, einfach das Erstbeste aus dem Regal des nächstgelegenen Supermarktes, dann verfiel ich darauf, für jede Ware den jeweils absolut günstigsten Preis zu ermitteln, Markenartikel grundsätzlich durch Noname-Produkte zu ersetzen und war auch bereit, dazu bei einer Einkaufstour drei oder vier Geschäfte abzufahren, getreu dem Motto „Reich wird man nicht durch sein Einkommen, sondern durch das, was man nicht ausgibt.“ Freilich kostet dieses Vorgehen sehr viel Zeit. Und mir sind inzwischen einige Alleinerzieher begegnet, die über genügend Geld verfügen, aber noch keiner, der von sich sagte, er habe genügend Zeit.

Mit der Zeit schaffte ich das Extremsparen für einige Artikel wieder ab, weil es sich einfach nicht lohnte. Zwei Beispiele mögen verdeutlichen, wie ich die Auswahl traf:

Beispiel 1, Duschgel: Jugendliche in der Pubertät duschen häufig, in unserem 5-Personen-Haushalt stieg der Duschgelverbrauch vorübergehend auf eine Flasche pro Tag. Das günstigste Duschgel kostete 65 Cent pro Flasche, und damit 19,50 Euro pro Monat. Die Werbung preist allerdings eine Sorte Duschgel (speziell für Männer) an, dessen Verwendung Frauenherzen derart in Wallung bringen soll, dass die Knöpfe gut gefüllter Dekolletés sich praktisch von selbst öffnen. Dieses Duschgel kostet 3,50 Euro pro Flasche, und damit 105 Euro im Monat, und der Trick mit den Knöpfen funktioniert nicht einmal. Bei einem Einsparpotential von 85 Euro im Monat (oder 1.020 Euro im Jahr) lag auf der Hand, dass ich hier nicht auf preisbewusstes Einkaufen verzichten würde.

Beispiel 2, Kaffee: Eine 500-Gramm-Packung No-Name-Kaffee ist im Handel für rund 3 Euro zu bekommen. Die gleiche Menge eines (deutlich besser schmeckenden) Markenkaffees kostet 5 bis 6 Euro. Aber: Wir verbrauchen pro Monat nur etwa 3 Packungen Kaffee. Wenn ich also immer nur den teuren Kaffee kaufe, belastet das unser Haushaltsbudget monatlich mit maximal 9 Euro zusätzlich. Klar, das ist auch Geld, aber das Einsparpotential beim Kaffeekauf liegt zumindest in unserem Haushalt nur bei einem guten Zehntel dessen, was wir beim Kauf von Duschgel sparen können.

Nicht jeder wird sich mit den beiden Beispielen anfreunden können (insbesondere, wenn besagter Trick mit den Knöpfen in seinem Fall funktioniert), aber eigentlich geht es ja auch gar nicht um Duschgel und Kaffee, sondern darum, sich über die Bedeutung einzelner Artikel für das Haushaltsbudget klar zu werden. Je mehr Sie von etwas verbrauchen, desto stärker machen sich auch kleine Preisunterschiede am Monatsende bemerkbar.

Viele Käufer achten allerdings eher bei den großen Einmalanschaffungen auf Einsparmöglichkeiten: Wenn Sie beim Kauf eines neuen Fernsehers 100 Euro sparen, klingt das zunächst nach wirklich viel Geld. Wenn der Fernseher aber fünf Jahre in Ihrem Wohnzimmer steht, schrumpfen diese 100 Euro zu 1,67 Euro pro Monat – falls Sie keine Ratenfinanzierung in Anspruch genommen haben. Aber das ist ein anderes Thema.

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Dirk Bongardt | Erstelle dein Profilbanner

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