Macht Liebe glücklich?

Wenn man den großen Klassikern glaubt: Nein! Schillers „Kabale und Liebe“, Goethes „Leiden des jungen Werther“, Shakespears „Romeo und Julia“, sie alle enden mit dem mehr oder minder freiwilligen Tod des oder der Liebenden, die so dem Unglück zu entgehen suchen, das die Liebe über sie gebracht hat. Und auch die modernen Volkspoeten sehen das kaum anders: „Love hurts“, wusste die schottische Hardrockband Nazareth, „Altes Arschloch Liebe“ beschimpft Bela B dieses Gefühl, und wohl selten hat einer ein gebrochenes Herz deprimierender in Musik gefasst als James Blunt mit „Goodbye My Lover“.

Liebe kann, wenn sie unerfüllt bleibt oder endet, zutiefst unglücklich machen. Sie raubt den Schlaf, vernichtet die Begeisterung, nimmt dem Leben jede Farbe. Bei mir dauerte es Monate, bei manch anderem sind es Jahre, bis Körper und Seele sich erholen.

„Such dir doch wieder eine Freundin“ – diesen Rat musste ich mir bereits kurz nach der Trennung von vielen Seiten anhören. Wie kommt es, dass Menschen, die es gut mit einem meinen, dennoch solche Ratschläge geben? Vielleicht, weil sie wissen, dass Liebe eben doch glücklich macht. Nicht für die Ewigkeit vielleicht, aber für den Augenblick, manchmal sogar für viele Jahre. Nicht immer verhindern Intrigen und Standesdünkel die Beziehung, wie es Schiller beschreibt, nicht immer bleibt das Sehnen des Herzens unerhört, wie bei Goethe, und dass eine große Liebe mit gemeinsamem Suizid endet, ist dann doch wirklich die große Ausnahme.

Den ganzen Beitrag lesen