Die Mär vom schnellen Geld

„Ich möchte eigentlich nicht mehr arbeiten“, sprach mich ein Bekannter vor einiger Zeit an, „ich möchte mit dem Computer Geld verdienen, wie Du.“ Und dann fragte er mich, wie das eigentlich genau geht. Meine Antwort, ich wisse selbst nicht, wie man ohne Arbeit Geld verdient, stellte ihn allerdings nicht zufrieden. Weil viele alleinerziehende Väter unter Geldnot leiden, und deshalb nicht selten auf der Suche nach zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten sind, wiederhole ich hier, was ich ihm sonst noch erzählt habe.

Zunächst einmal, dass ich acht bis zehn Stunden am Tag arbeite. Ich, nicht mein Computer. Ich bin Journalist, meine Themen stammen vorwiegend aus dem Themenkreis ‚Computer und Internet‘, und, ich geb’s zu, es gibt Tage, da möchte ich auch nicht mehr arbeiten. Aber ich tu’s.

Dann sprach ich mit ihm über die ‚Geheimnisse‘, auf die er unweigerlich stoßen würde, wenn er ‚mit dem Computer Geld verdienen‘ in eine Suchmaschine tippte. Ich weiß nicht, ob er mir geglaubt hat, oder doch eher auf die Heilsversprechen der Online-Reichmacher vertraut. Aber ich bin ganz sicher, dass er eine Enttäuschung erleben wird, wenn er erwartet, eine nennenswerte Summe zu verdienen, ohne ernsthaft dafür zu arbeiten. Den ganzen Beitrag lesen

Auf Wiedersehen, Mami

Ein Jahr und vier Monate sind vergangen seit jenem schwarzen Tag, als meine Geschwister und ich am Bett unserer Mutter standen, um ein letztes Mal ihre schon leblosen, erstarrten Hände zu streicheln und uns für lange Zeit von ihr zu verabschieden. Sie hatte den zweiten Weltkrieg überlebt, die Tuberkulose, die brutale Treulosigkeit meines leiblichen Vaters. Neun Jahre war sie meinem Bruder und mir Alleinerzieherin gewesen, und immer, wenn ich in den letzten Jahren erschöpft oder der Verzweiflung nah war, hatte ich mir sie zum Vorbild genommen: „Mami hat das auch geschafft.“

Doch nun hatte sich der Krebs als stärker erwiesen, und einige Tage später haben wir sie beerdigt. Ich war einer von denen, die an ihrem Sarg ein paar Worte sprachen. Ich denke, die folgenden Worte machen deutlich, was für ein Mensch sie gewesen ist. Sie hätte ganz sicher gewollt, dass man sie so in Erinnerung behält: Den ganzen Beitrag lesen

Rezept für Vergessliche: Salzbraten

Wer sehr beschäftigt ist, – und das ist ein alleinerziehender Vater definitiv – kann es sich selten leisten, mehrere Stunden in die Zubereitung einer Mahlzeit zu investieren, und dann auch noch die Garzeit minutengenau einhalten. Deshalb  möchte ich an dieser Stelle eine Zubereitungstechnik vorstellen, mit der ich mich erst vor ganz kurzem angefreundet habe: Salzbraten.

Wie der Name verrät, benötigen Sie dazu zunächst einmal Fleisch. Die gute Nachricht: Sie haben die freie Wahl: Krustenbraten, Nackenbraten, Schinkenbraten, Rollbraten (am besten das Netz vor der Zubereitung entfernen), vom Schwein, vom Rind, von der Pute – und sogar Fisch lässt sich auf diese Art zubereiten.

Die zweite Zutat ist Salz, und zwar pro Kilogramm Fleisch ein Kilogramm (No-Name-Salz für 38 Cent pro Kilogramm ist völlig ausreichend).

Die beiden letzten Zutaten: Pfeffer und Senf. Den ganzen Beitrag lesen

Begegnung mit dem Tod

„Endlich wieder einer gestorben“ – einer meiner Söhne hat sich entschlossen, vor Antritt seiner Ausbildung dem Vaterland zu dienen, und sieht noch bis zum April jeden Tag dem Tod ins Auge. Nicht dem eigenen zwar, aber verändert hat ihn diese Erfahrung dennoch.

Menschen sterben, und man sollte meinen, Kinder, die in einer halbwegs großen Familie aufwachsen, würden eher früher als später automatisch mit dem Tod konfrontiert. Großeltern sterben, Onkel und Tanten, Haustiere – doch gerade, was den Tod von Menschen betrifft, greifen viele Eltern zu Euphemismen und Tarnungen, um ihre Kinder (und sich selbst) vor der all zu heftigen Konfrontation zu schützen: Wir verstecken unsere Toten in Holzkisten, die wir eilig in der Erde vergraben, wir gebrauchen Redewendungen wie „von uns gegangen“, „eingeschlafen“ oder „an einem besseren Ort“, statt die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Ich selbst war 40, als ich den ersten Leichnam sah, den meiner Mutter (dazu später mehr). Bis dahin, so denke ich, habe ich zwar an nicht zu wenigen Beerdigungen teilgenommen, Abschied und Trauer habe ich so kennen gelernt, aber nicht das Phänomen Tod an sich. Den ganzen Beitrag lesen

Lehrjahre: Der Kampf um den Ausbildungsplatz

„Keine Chance!“ Zu diesem Schluss war ein Freund eines meiner Söhne gekommen, nachdem er sich, wie er sagte, um einen Ausbildungsplatz bemüht hatte. Und er hatte auch wortreich erklären können, warum: Die Betriebe stellen zu hohe Anforderungen, es gibt einfach zu wenig Ausbildungsplätze, meine Noten sind denen einfach nicht gut genug und so weiter und so fort. Unter vier Augen erfuhr ich später von meinem Sohn noch ein Detail: Sein Kumpel hatte exakt eine Bewerbung geschrieben – und darauf eine Absage erhalten. Keine Chance.

Das war lange vor der Wirtschaftskrise. Inzwischen konnte ich drei meiner Kinder bei der erfolgreichen Jagd auf einen Ausbildungsplatz begleiten. Zwei davon allerdings eher aus der Ferne, die wollten sich weder ins Bewerbungsschreiben noch in ihr Auftreten bei Tests und Vorstellungsgesprächen hineinreden lassen. Der Erfolg gab ihnen recht. Den ganzen Beitrag lesen

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