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Alles wird gut. Oder?

Wenn ich beim Ansehen einer Krimiserie gelegentlich die Augen verdrehe, dann könnte es an einer Szene wie dieser liegen: Die Sondereinheit des FBI hat per finalem Rettungsschuss ein Kind aus den Fängen eines psychotischen Serienkillers gerettet, nachdem der dessen Vater, Mutter und Geschwister massakriert und das Kind über Stunden misshandelt hat. Einer der Retter nimmt das völlig verstörte Kind in seine Arme und wiederholt ein paar Mal Worte wie “Jetzt wird alles wieder gut. Alles wird gut.”

Äh, hallo?! Wie kann der Drehbuchautor solche Sätze verantworten? Nun gut, ein verängstigtes, von seelischen und körperlichen Schmerzen gepeinigtes Kind beruhigt selbst der kaltblütigste Fahnder nicht mit einem Satz wie “Du bist nicht mehr in unmittelbarer Gefahr, aber du wirst deine engsten Angehörigen nie wieder sehen, du wirst dein Leben nicht in deiner vertrauten Umgebung weiterführen können, und deine Seele wird für den Rest deines Lebens schwer gezeichnet sein.” Nein, so etwas sagt man keinem Kind. Aber “Alles wird wieder gut” ???

Wie ich darauf komme? Nun, weil ich vor ein paar Minuten kurz davor stand, hier eine ähnlich gewagte Behauptung aufzustellen.

Meine Kinder haben den Schritt ins Erwachsenenalter hinter sich gebracht, treffen ihre Entscheidungen und packen ihre Probleme eigenständig an. Sie sind verantwortungsbewusste und, so weit ich mir dieses Urteil anmaßen darf, wohl auch glückliche Erwachsene geworden. Meine Freundin Angela ist seit dem 17. November des vergangenen Jahres auch meine Ehefrau, und ich kann ehrlich sagen, dass ich mich an keine glücklichere Zeit in meinem Leben erinnere. Elf Jahre nachdem für meine Kinder und mich eine Welt untergegangen ist, scheint damit doch wirklich “alles gut geworden” zu sein.

Und dennoch habe ich kein gutes Gefühl bei dem Satz “Alles wird gut.” Ein  Gedanke dazu: Angenommen, ein Brandstifter legt ein Feuer an das Haus einer Familie. Das Haus brennt nieder, doch alle Bewohner können sich, mit im schlimmsten Fall mittleren Verletzungen, in Sicherheit bringen. Die Mitglieder der Familie beschließen, den Schutt weg zu räumen, und ein neues Haus zu bauen. Elf Jahre später haben sie es geschafft, und das neue Haus ist größer, komfortabler und schöner, als es das alte je war. Zweifellos ist das ein “gutes”  Resultat, und mancher Nachbar, der das alte Haus gekannt hat, mag sich in eine Aussage versteigen wie “Da hat der Brandstifter ja doch ein gutes Werk getan”. Hat er nicht. Schon dass niemand zu großem körperlichen Schaden gekommen ist, ist gewiss nicht das Verdienst des Brandstifters. Ebenso wenig kann sich der Brandstifter den neuen Bau anrechnen, den die Familie in jahrelanger Arbeit errichtet hat. Einzig eines verdankt ihm die Familie: Dass jeder von ihnen des Nachts von Zeit zu Zeit von Angstträumen aus dem Schlaf geschreckt wird, Rauch zu riechen und das Knistern von Flammen zu hören meint.

Mit der viel zu sehr verkürzten Aussage “Alles wird gut” hätte ich also gleich zwei falsche Signale gesetzt: Zum ersten “wird” nichts gut. Die oben erwähnte Familie hat sich ja auch nicht in die Trümmer ihres verbrannten Hauses gesetzt und darauf gewartet, das Schicksal möge sie für den erlittenen Verlust entschädigen. Wer in die Situation gerät, plötzlich ohne Partner(in) für seine Familie sorgen zu müssen, den erwartet eine arbeitsreiche Zeit – nicht, dass das etwas Schlimmes wäre. Zum zweiten: Ich will den Müttern (und natürlich auch Vätern) keine Absolution erteilen, die aus purem Egoismus heraus ihren Partner und vor allem ihre Kinder im Stich lassen. Ich bilde mir nicht ein, ich könne auf jemandes Verhalten in dieser Sache Einfluss nehmen. Brandstifter werden wegen dieser Zeilen wohl kaum ihre Feuerzeuge weg legen. Aber schönreden sollen sie sich ihre Verbrechen bitteschön selbst.

Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse heißen…

Jesaja 5,20

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Neue Zeiten…

… sind nicht nur für meine inzwischen erwachsenen Kinder und mich angebrochen. Nicht zuletzt die Buchbranche befindet sich in einer Phase gewaltiger technischer Umwälzungen und radikaler Veränderungen. Eine Entwicklung, gegen die sich viele Publikumsverlage trotz gegenteiliger Beteuerungen vehement stemmen, ist der Trend zum Ebook. Freilich, fast alle Neuerscheinungen gibt es nicht nur auf Papier, sondern auch für diverse Lesegeräte. Doch obwohl digitale Medien nicht auf teures Papier gedruckt, nicht gebunden, eingeschlagen, nicht physisch transportiert werden müssen, sind digitale Ausgaben populärer Werke kaum günstiger als solche in Papierform, manchmal sogar teurer als die Taschenbuchausgaben.

Nun, mein Buch “Senza Una Donna: Das Survival-Handbuch für allein erziehende Väter” hat dereinst als Taschenbuch den stolzen, aber in der gewählten Form kaum geringer realisierbaren, Preis von 12,50 € gekostet. Für mich als Autor blieb davon ein verschwindend geringer Betrag. Deshalb habe ich mich entschieden, das Buch noch einmal durchzusehen, und es in digitaler Form, als Ebook für Amazon Kindle, neu zu veröffentlichen – zu einem Preis, in dem sich die gesparten Kosten für Material und Logistik voll niederschlagen. Ab sofort können Sie die digitale Ausgabe dieses Buches für 0,99 € erhalten.

Senza Una Donna

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